#117 Von al-Qaida entführt: Krisen & Resilienz mit Marc Wallert

Marc Wallert

Bis er eines Nachts auf Malaysia von al-Qaida überfallen und entführt wurde, war Marc Wallerts Leben eigentlich ganz normal. Nach der Schule wollte er einfach durchstarten und hat genau das auch gemacht. Die besten Abschlüsse, zwei Master in kürzester Zeit und Erfolg im Außen. Doch er hörte nie auf die innere Stimme, die ihm sagte, was ER eigentlich wirklich will.

Marc sagt, er habe zu sehr darauf geachtet, worin er gut ist, statt wo seine Augen glänzen. Die Schule bringt vielen Menschen etwas, bereitet aber nur auf einen kleinen Teil der möglichen Berufe vor.

Das Fach Entführungen überleben in der Schule hätte ihm jedenfalls gut getan, denn auf eine solche war Marc nicht vorbereitet, als er Urlaub in Malaysia machte. Alles war friedlich, bis auf einmal bis an die Zähne bewaffnete Männer, wie man sie nur aus Filmen kennt, das Boot stürmten. Es waren Terroristen des Terrornetzwerks al-Qaida. Marc und die anderen Urlauber wurden entführt, auf die Philippinen verschleppt und dort 4,5 Monate im Dschungel festgehalten.

Nur diejenigen wurden nicht entführt, die den Nachttauchgang mitgemacht hatten und deshalb nicht auf der Insel anwesend waren. Natürlich kamen Marc sofort diese Gedanken: „Scheiße, hättest du doch mal beim Tauchen mitgemacht, dann wärst du jetzt nicht entführt“.

Und hier beginnen die wichtigsten Learnings von Marc Wallert zum Thema Krisen meistern und Resilienz. Denn er hat die Monate im Dschungel mental ziemlich gut weggesteckt.

1) „Hätte ich mal, wäre doch…“ -> Damit schickst du Energie in die Vergangenheit, aber es bringt nichts. Im Gegenteil: Wir brauchen in solchen Situationen mehr denn je unsere Energie in der Gegenwart!

2) Großer Fehler in Krisen: Im Moment schon versuchen, alles schönzureden. Wenn man das tut,  dann hat man gar keine Chance, das Potenzial im Tiefpunkt zu sehen. Deshalb im Moment selbst die Situation als Krise und Tiefpunkt mit verdammt unschönen Gefühlen anerkennen!

3) Haltung „Wer weiß, wofür es gut wird“ – Diese Frage hatte er sich schon vor der Reise in der Heimat gestellt: „Ich will einen Wink des Schicksals, ich will Klarheit“. Darum hatte er gebeten und während der Entführung auf dem Boot der Terroristen hat er für möglich gehalten, dass die Entführung genau dieser Wink ist.  

4) Deshalb ist er so gut durch diese schwere Zeit durchgekommen: Er hatte die Klarheit, wo die Reise hingehen soll. Im Job und Berufsleben allgemein gibt so unendlich viele Möglichkeiten, dass man sich kaum entscheiden kann. In dieser Ausnahmesituation hingegen gab es nicht tausende offene Türen. Sondern nur eine einzige Tür, die einen Spalt offen stand. Und das war das nackte Überleben.

5) Vertrauen der Entführer aufbauen und gute Beziehungen zu ihnen waren überlebenswichtig. Was dabei und auch fürs Mindset geholfen hat: Wenig impulsiv sein, weder überschwängliche Hoffnung noch permanent panische Todesangst raushängen lassen.

6) Gerade weil es so ernst war: auch Mal was lustiges Machen. Du kannst nicht monatelang nur in Todesangst leben.

7) Danken für das, was da ist. Egal, wie scheiße die Umstände sind, es gibt immer etwas, wofür du dankbar sein kannst. So kannst du deinen Fokus anders setzen und dein Gehirn überlisten. Du kannst umschalten auf das, was schön ist. Dort unter den widrigsten Bedingungen im Dschungel konnten sie immer noch dankbar für den Sonnenschein und den Regen sein, der ihnen Wasser zum Trinken liefert.  

Marc Wallert selbst hat die Entführung gemeistert. Doch das ging nicht allen so. Was die anderen Entführungsopfer aus der Situation gemacht haben und wie unterschiedlich sie damit umgegangen sind, hat mit Resilienz zu tun. Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die dir hilft, Krisen zu meistern und dich dadurch weiterzuentwickeln.

Resilienz braucht mehr als das klassische wieder aufstehen und immer weitermachen. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, so lautet ein bekannter Spruch. Aber das ist nicht immer die Lösung! Denn so machst du stets weiter das, was nicht funktioniert und vielleicht sogar das, was du gar nicht willst.

Es gibt drei Formen von Resilienz, die Marc Wallert am Modell von drei Bäumen erklärt:

Nr. 1 trotzt dem Wind jedes Mal und bleibt so, wie er ist

Nr. 2 wird windschief, indem er sich einfach den Gegebenheiten anpasst.

Nr. 3 fragt sich: „Was kann ich draus lernen und besser machen?“ Er wächst dann krumm und schief, er rekonfiguriert sich.

Doch all die Erfahrungen und Learnings aus monatelanger Entführung reichten immer noch nicht dafür aus, dass Marc sein Leben umkrempeln und so gestalten konnte, wie es ihm entspricht. Nach der Rückkehr aus dem Dschungel ging er zurück in seinen alten Job, der ihn nicht erfüllte, sondern nur das gute Geld und hohe Anerkennung versprach. Kurze Zeit später landete er im Burnout. Ob man es glaubt oder nicht: Auch dieser Wakeup-Call reichte nicht aus. Er ging wieder zurück in den Job. Genau wie die meisten anderen Menschen überhörte er die Vorboten des Burnouts. Er drehte die Rauchmelder-Signale ab, statt die Brandursache zu bekämpfen. Der Schlüsselmoment kam erst, als seine Freundin ihm den Schlussstrich zog und klarmachte, wie sehr er sich in die Scheiße geritten hat.

Heute weiß Marc: Ein Burnout ist sehr viel unwahrscheinlicher, wenn man sein Warum kennt. Wenn man etwas tut, was einen wirklich erfüllt und nicht, um den Ansprüchen anderer gerecht zu werden. Und: Du musst für alles im Leben Verantwortung übernehmen. Das ist der Schlüssel zu einem erfüllten und selbstbestimmten Leben.

„Positives Denken kann manchmal tödlich sein“ hat Marc im Dschungel festgestellt. Schau lieber, was richtig scheiße läuft, schau auf deine Tiefpunkte, geh in deine Ängste und lerne aus ihnen. Nimm jetzt eine Anpassung vor und mach es in Zukunft besser. Jahrelang hat Marc Wallert immer nur das gemacht, was andere von ihm wollten. Jetzt tut er das, was er wirklich selbst will. Und das kannst du auch.

Viel Spaß mit der Episode.

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