Heute möchte ich einem Buch widmen, welches jeder gelesen haben sollte! Und mit jeder, meine ich wirklich jeder. Es geht um Viktor E. Frankls Klassiker “…trotzdem Ja zum Leben sagen”. 

“Wehe dem, der kein Lebensziel mehr vor sich sah, der keinen Lebensinhalt mehr hatte, in seinem Leben keinen Zweck erblickte, dem der Sinn seines Daseins entschwand – und damit jedweder Sinn eines Durchhaltens. Solche Leute, die auf diese Weise völlig haltlos geworden waren, ließen sich alsbald fallen.“

Viktor Frankl wurde 1905 in Wien geboren und war… Jude. Wie sich der ein oder andere denken kann, folgte in seinem Leben eine Phase voller Qualen, Folter, Leid und Misshandlungen in verschiedensten Konzentrationslagern. Nicht viele Juden überlebten die Zeit des zweiten Weltkriegs, doch Frankl war einer davon. In seinem Buch erzählt er von seinen Erlebnissen und schildert die alltägliche Situation im KZ.

Ich empfehle dieses Buch alleine schon deswegen, weil es dir einen Einblick in die damalige Zeit gibt und dich erkennen lässt, wie gut du es eigentlich hast und dass deine First World Problems nichts im Vergleich zu dem sind, was Juden durchmachen mussten. Ihnen wurde alles genommen, sie wurden gezwungen zu arbeiten, waren ständig am Hungern, wurden gefoltert und zu großen Teilen brutal ermordet.

Das Einzige, das Viktor Frankl blieb, war sein Verstand. Auch wenn wir das, was er durchgemacht hat, (hoffentlich) nicht durchmachen werden, können wir dennoch aus seinen Erfahrungen lernen und seine daraus gezogenen Lektionen für unser heutiges Leben anwenden.

Was ich daraus gelernt habe

1. Manchmal ist Aufgeben die beste Option

Es wird Momente in deinem Leben geben, über die du keine Kontrolle hast. Dir passieren schlimme Dinge und natürlich willst du versuchen sie zu verhindern, aber manchmal machst du es nur noch schlimmer. Im Konzentrationslager wurdest du als Arbeitskraft missbraucht. Sich dagegen zu wehren, beziehungsweise die Arbeit zu verweigern bedeutete, sich von seinem Leben zu verabschieden. Frankl wusste, dass sein Schmerz nur temporär ist, weswegen er sich dafür entschieden hat, sich nicht zu wehren und das Leid für diese Zeit zu ertragen. Er wusste, dass er andernfalls das Konzentrationslager nicht lebend verlassen wird.

Manchmal musst du einfach aufgeben und dich mit der Situation abfinden. Tust du es nicht, verschlimmerst du deine Lage und wirst du letztendlich verzweifeln. Erkenne, wann es Sinn macht, dich zu wehren und wann nicht. Und wenn es Sinn macht, dann gib auf – auch wenn es schmerzhaft ist.

2. Du bist dafür verantwortlich, deinem Leben einen Sinn zu geben

Diese Lektion ist meiner Meinung nach auch die wichtigste. Ungeachtet dessen, was dir zustößt, musst du deinem Leben einen Sinn geben. Oder: Gib deinem Leid einen Sinn. Wofür leidest du gerade? Wofür gehst du gerade durch die Hölle? Was ist der Zweck des Ganzen?

Manchmal erkennt man den Sinn nicht immer, aber es ist unsere Aufgabe, ihn zu finden. Frankl hat gelitten, damit seine Familie es zu diesem Zeitpunkt nicht musste. 

Du kennst diese Situation bestimmt: Du kommst aus einer Beziehung und fühlst dich miserabel. Viele hassen diesen Trennungsschmerz und nehmen ihn einfach hin, ohne ihm einen Sinn zu geben. Vielleicht ist er dafür da, um als Antrieb für deine persönliche Weiterentwicklung zu dienen. Vielleicht ist er dafür da, dass du lernst, was dir gut tut und was nicht. Was auch immer es sein mag – du trägst die Verantwortung dafür, nicht nur deinem Leben, sondern auch deinem Leid einen Sinn zu geben.

3. Gib dich deiner Angst hin

Lass deine Ängste wahr werden. Was wie ein Scherz klingt, ist tatsächlich ernst gemeint. Versuche nicht, deinen schlimmsten Befürchtungen aus dem Weg zu gehen – gehe stattdessen auf sie zu. Wenn du beispielsweise jemand bist, der in Anwesenheit einer großen Menschenmenge anfängt zu stottern, solltest du nicht versuchen, große Menschenmengen zu vermeiden, sondern sie erst recht aufsuchen. Gehe sogar einen Schritt weiter und versuche mit Absicht zu stottern! Das mag sich kontraintuitiv anhören, sprich, es wird zwar gegen deine Intuition sprechen, allerdings wirst du dich schnell wohler mit deiner Situation fühlen und dich mit ihr anfreunden. Du wirst dich an diese neue Umgebung gewöhnen und das Stottern wird mit der Zeit weniger und weniger werden.

Achtung: Das heißt nicht, dass du dich in lebensbedrohliche Situationen begeben sollst! Es kann aber heißen, dass du deinen Chef nach einer Gehaltserhöhung fragen solltest, wenn du das Gefühl hast, dass du eine verdienst.

Abschluss

“…trotzdem Ja zum Leben sagen” ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Viktor Frankl ist kein Erfolgscoach oder Ähnliches. Er ist ein einfacher Mensch, dem Schlimmes widerfahren ist und der trotz seiner Qualen den Willen hatte, weiterzuleben. Ein absolutes Must-Read!

Deutsche Version: https://amzn.to/2GRBspK